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    CO2 in der Raumluft und Konzentration: Was die Forschung wirklich zeigt (2026)

    CO2 in der Raumluft und Konzentration: Was die Forschung wirklich zeigt (2026)

    Bei 1400 ppm CO2 lagen die kognitiven Testwerte von Büroangestellten um 50 Prozent unter dem Niveau bei 550 ppm. Das ist kein Extremszenario aus dem Labor, sondern das Ergebnis der Harvard-COGfx-Studie (Allen et al. 2016, Environmental Health Perspectives) – und 1400 ppm erreicht ein voll besetzter Besprechungsraum mit zu knapper Außenluft am Nachmittag ohne weiteres. Wer für Gebäude budgetiert, sollte deshalb weniger darüber diskutieren, ob CO2 in der Raumluft die Konzentration beeinflusst, und mehr darüber, welche Zahlen aus der Forschung tatsächlich belastbar sind. Denn genau hier kursieren erstaunlich viele Fehlzitate.

    Drei Studien, die den Kern der Debatte bilden

    Die erste ist die bereits genannte Harvard-Studie. Allen und Kollegen ließen Büroangestellte bei etwa 550, 945 und 1400 ppm CO2 arbeiten. Gegenüber 550 ppm fielen die kognitiven Werte bei 945 ppm im Schnitt um 15 Prozent, bei 1400 ppm um 50 Prozent. Wichtig für die Einordnung: 945 ppm ist ein Wert, den viele Betreiber heute noch als völlig unauffällig einstufen würden.

    Die zweite Studie stammt vom Lawrence Berkeley National Laboratory (Satish et al. 2012, Environmental Health Perspectives). 22 Teilnehmende wurden bei 600, 1000 und 2500 ppm getestet, wobei ausschließlich der CO2-Gehalt verändert wurde – nicht die Temperatur, nicht andere Schadstoffe. Bei 1000 ppm zeigten sich moderate, aber signifikante Einbußen auf sechs von neun Skalen zur Entscheidungsfindung. Bei 2500 ppm brachen sieben von neun Skalen deutlich ein; der Wert für Initiative sank von 20,1 auf 1,4.

    Die dritte Untersuchung ist die globale COGfx-Gebäudestudie von 2021 (Environmental Research Letters). Sie begleitete 302 Büroangestellte in sechs Ländern über längere Zeit in ihren realen Arbeitsumgebungen. Ergebnis: Je 500 ppm mehr CO2 reagierten die Teilnehmenden 1,4 bis 1,8 Prozent langsamer und gaben pro Minute 2,1 bis 2,4 Prozent weniger richtige Antworten. Eine Schwelle, unterhalb derer kein Effekt mehr auftrat, fand das Team nicht. Für die Praxis heißt das: Es gibt keinen „sicheren" CO2-ppm-Wert, ab dem man aufhören kann zu lüften – nur einen, ab dem die Kosten der Verbesserung den Nutzen übersteigen.

    Was mehr Außenluft in Produktivität übersetzt

    CO2 ist in diesen Studien vor allem ein Indikator dafür, wie viel verbrauchte Luft sich im Raum ansammelt. Deshalb ist die Frage nach dem Lüftungsvolumen ökonomisch die interessantere. Seppänen, Fisk und Lei (2006) errechneten, dass die Büroarbeitsleistung um etwa 0,8 Prozent pro 10 cfm beziehungsweise 4,7 Liter pro Sekunde und Person zusätzlicher Lüftung steigt, sofern die Ausgangsrate zwischen 6,5 und 14 Liter pro Sekunde und Person liegt. Der World Green Building Council bezifferte 2014 den möglichen Produktivitätsgewinn durch bessere Raumluftqualität auf 8 bis 11 Prozent.

    Wer diese Zahlen gegen die Personalkosten eines Bürogebäudes rechnet, versteht schnell, warum die Lüftungsanlage selten der Posten ist, an dem sich Einsparungen lohnen – und warum es sich lohnt zu wissen, wo im Gebäude die Luft tatsächlich schlecht ist.

    CO2-Grenzwert für Raumluft: Was die Normen wirklich sagen

    Hier beginnt das Missverständnis. ASHRAE Standard 62.1 legt keinen CO2-Grenzwert fest. Der oft zitierte Wert von 1000 ppm war in der Ausgabe von 1989 ein Marker für die Wahrnehmbarkeit von Körpergeruch und wurde 1999 gestrichen. ASHRAE stuft CO2 bis 5000 ppm als nicht toxisch ein. Wer also „ASHRAE schreibt 1000 ppm vor" in ein Lastenheft schreibt, zitiert eine Regel, die es seit über 25 Jahren nicht mehr gibt.

    Was es stattdessen gibt, sind Auslegungskategorien und nationale Vorgaben:

    • EN 16798-1: Auslegungskategorien über dem Außenluftwert – 550 ppm für Kategorie I, 800 ppm für Kategorie II, 1350 ppm für Kategorie III. Entscheidend ist das Wort „über": Bei 420 ppm Außenluft bedeutet Kategorie II einen Raumwert von rund 1220 ppm.
    • Dänisches BR18, Paragraf 447: In Unterrichtsräumen darf CO2 unter Auslegungsbedingungen 1000 ppm nicht überschreiten.
    • UK HSE: Unter 800 ppm gilt als Zeichen guter Lüftung; dauerhaft über 1500 ppm erfordert Maßnahmen.
    • UK BB101 (2018): Mechanisch belüftete Klassenräume sollen im Mittel unter 1000 ppm liegen und nie länger als 20 Minuten am Stück über 1500 ppm.

    Für Betreiber in Deutschland ist EN 16798-1 die relevanteste Referenz, weil sie in Ausschreibungen und Nachweisen auftaucht. Die CO2-Werte in der Raumluft sind dort aber Auslegungsgrößen, keine Betriebsgrenzwerte – ob sie im Betrieb eingehalten werden, weiß nur, wer misst.

    Vier Fehlzitate, die in Präsentationen immer wieder auftauchen

    • „ASHRAE begrenzt CO2 auf 1000 ppm." Falsch. Siehe oben: kein Grenzwert, der 1000-ppm-Wert wurde 1999 entfernt.
    • „Harvard fand 11 Prozent Einbuße bei 1000 ppm." Diese Zahl vermischt zwei Studien. Harvard testete bei 945 ppm und fand 15 Prozent; die 1000-ppm-Stufe stammt aus Berkeley.
    • „Laut Harvard halbiert sich die Kognition bei 2500 ppm." Falsch. 2500 ppm war die höchste Stufe im Berkeley-Versuch. Harvards 50 Prozent beziehen sich auf 1400 ppm.
    • „Schlechte Raumluft kostet 56 Milliarden Dollar." Für diese Zahl gibt es keine nachvollziehbare Quelle. Wer sie verwendet, riskiert, dass die gesamte Argumentation im Budgetgespräch angezweifelt wird.

    Alle Originalquellen mit Links sind im englischen Original dieses Beitrags zusammengestellt.

    Was Implementierer wissen: Der Sensor am falschen Ort misst das falsche Gebäude

    Ein Punkt, der in kaum einer Studie steht, aber in jedem Projekt auffällt: Viele Bestandsgebäude messen CO2 im Abluftkanal oder im Flur. Das liefert einen Durchschnitt über mehrere Räume – und der Durchschnitt ist fast immer unauffällig. Der Besprechungsraum mit acht Personen und geschlossener Tür taucht darin nicht auf, das leere Großraumbüro nebenan verdünnt ihn weg. Wer CO2 im Büro ernsthaft steuern will, braucht Messwerte pro Raum, in Kopfhöhe, an einer Innenwand abseits von Zuluftauslass und Tür. Die zweite Beobachtung: CO2 reagiert träge auf Belegung. Der Wert steigt nach Betreten des Raums erst mit Verzögerung und bleibt nach dem Verlassen hoch. Eine bedarfsgeführte Lüftung, die nur auf CO2 reagiert, läuft dem tatsächlichen Nutzungsverlauf deshalb systematisch hinterher.

    CO2 und Belegung pro Raum kontinuierlich messen

    Die Lösung liegt darin, beide Signale zusammenzubringen: den CO2-Wert als Ergebnisgröße und die tatsächliche Personenzahl im Raum als Führungsgröße. Belegungszählung zeigt, dass ein Raum voll ist, bevor der CO2-Wert es meldet, und dass er leer ist, obwohl der Kalender ihn als gebucht führt. Die Lüftung folgt dann der realen Nutzung statt einem Zeitplan – das senkt CO2-ppm-Spitzen in den kritischen Räumen und spart Energie in den unbesetzten. Bei Vemco liegt die vertraglich zugesicherte Zählgenauigkeit bei mindestens 96 Prozent; in der Praxis werden typischerweise 98 bis 99 Prozent erreicht, wenn Lichtverhältnisse, Raumaufteilung und Bewegungsverhalten es zulassen. Für ESG-Berichte entsteht nebenbei ein belastbarer Nachweis der Raumluftqualität pro Fläche statt einer Schätzung pro Gebäude. Details zur Umsetzung finden Sie unter Indoor Air Quality Monitoring.

    Häufig gestellte Fragen

    Welcher CO2 Wert ist in der Raumluft im Büro gut? Unter 800 ppm gilt laut UK HSE als Zeichen guter Lüftung, und EN 16798-1 setzt für Kategorie II 800 ppm über Außenluft an. Die Harvard-Studie zeigte allerdings schon bei 945 ppm 15 Prozent niedrigere kognitive Werte, und die globale COGfx-Studie fand keinen Wert ohne Effekt. Je näher am Außenluftwert, desto besser – „gut" ist eine Frage der Ambition, nicht der Norm.

    Gibt es einen CO2 Grenzwert für Raumluft? Einen allgemeingültigen Grenzwert gibt es nicht; ASHRAE 62.1 legt keinen fest und stuft CO2 bis 5000 ppm als nicht toxisch ein. Was existiert, sind Auslegungskategorien wie in EN 16798-1 und nationale Vorgaben für bestimmte Nutzungen, etwa 1000 ppm in dänischen Unterrichtsräumen nach BR18 Paragraf 447. Für Büros in Deutschland sind die EN-Kategorien die praktische Referenz.

    Wie beeinflusst CO2 die Konzentration? Die Berkeley-Studie zeigte bei 1000 ppm bereits messbare Einbußen auf sechs von neun Entscheidungsskalen, bei 2500 ppm brach der Wert für Initiative von 20,1 auf 1,4 ein. Die globale COGfx-Studie fand pro 500 ppm mehr CO2 1,4 bis 1,8 Prozent langsamere Reaktionen und 2,1 bis 2,4 Prozent weniger richtige Antworten pro Minute. Der Zusammenhang ist graduell und beginnt deutlich unterhalb der Werte, die in vielen Besprechungsräumen üblich sind.

    Wenn Sie wissen wollen, in welchen Räumen Ihres Gebäudes die CO2-Werte in der Raumluft tatsächlich über den Auslegungskategorien liegen – und wie viel Lüftungsenergie in leeren Räumen verloren geht –, sprechen Sie mit uns. Wir zeigen Ihnen anhand Ihrer Grundrisse, wie eine raumgenaue Messung von CO2 und Belegung aufgebaut wird und welche Daten Sie für Betrieb und ESG-Nachweis daraus ziehen.

    Zuletzt geprüft: September 2026.

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