Drei Angebote liegen auf dem Tisch des Gebäudemanagements einer Stadtverwaltung. Alle drei versprechen Belegungsmanagement für das Bürgeramt, die Stadtbibliothek und zwei Verwaltungsgebäude. Eines nennt 99 Prozent Genauigkeit ohne jede Messbedingung, eines schreibt „hochpräzise“, das dritte schweigt zum Thema. Keines beschreibt, wie die Zählwerte in die Lüftungsanlage gelangen, die seit Jahren montags bis freitags von 6 bis 20 Uhr auf Volllast läuft. Dieser Beitrag klärt die vier Fragen, die vor der Vergabe beantwortet sein müssen: Was muss das System messen, welche Genauigkeit gehört in den Vertrag, wie läuft die Kopplung mit HVAC und Gebäudeleittechnik, und wie rechnet man den Business Case so, dass er vor Kämmerei oder CFO standhält. Wer zuerst einen Überblick über Funktionen und Sensortypen braucht, findet ihn im kompletten Leitfaden für Kapazitätsmanagement-Software; hier geht es um Lastenheft, Vertrag und Umsetzung.
Welche Messwerte eine Software für Belegungsmanagement liefern muss
„Belegung erfassen“ ist als Anforderung wertlos, weil jeder Anbieter etwas anderes darunter versteht. Ins Lastenheft gehören vier konkrete Messgrößen, jeweils mit Zone und Zeitauflösung:
- Aktuelle Belegung pro Zone aus verrechneten Ein- und Austritten, für Gebäude, Etage und Raum verschachtelt. Fordern Sie Minutenwerte als Rohdaten, nicht nur 15-Minuten-Mittel; Grenzwertalarme arbeiten sonst mit veralteten Zahlen.
- Spitzenlast und Dauer oberhalb eines Schwellenwerts. Nicht „wie voll war es maximal“, sondern „wie viele Minuten pro Tag lag die Zone über 85 Prozent“. Nur dieser Wert zeigt, ob ein Engpass real ist oder eine kurze Stoßzeit nach der Vorlesung.
- Belegung einzelner Arbeitsplätze und Besprechungsräume über einen Belegungssensor am Platz oder im Raum, inklusive der Information, ob ein gebuchter Raum tatsächlich genutzt wird.
- Bereinigte Zählung. Reinigung, Sicherheitsdienst und Haustechnik dürfen in der Auslastungsstatistik nicht auftauchen. Lassen Sie sich zeigen, wie der Ausschluss konfiguriert wird und ob er auf Zonenebene abschaltbar ist.
Zwei Punkte werden regelmäßig vergessen. Erstens die Nullstellung: Zählsysteme auf Basis von Ein- und Austritten driften über den Tag, wenn ein Notausgang ohne Sensor genutzt wird. Das System muss einen automatischen Reset zu einer definierten Uhrzeit und eine manuelle Korrektur durch den Betreiber vorsehen. Zweitens der Datenexport: Belegungsdaten müssen ohne Zusatzlizenz per API in das eigene BI-Tool und das Buchungssystem fließen, sonst bleibt die Auswertung beim Hersteller.
Genauigkeit: Was in den Vertrag gehört und was nicht
Eine Genauigkeitsangabe ohne Messvorschrift ist keine Zusage, sondern Marketing. Vemco Group sichert vertraglich eine Mindestgenauigkeit von 96 Prozent zu; in der Praxis werden typischerweise 98 bis 99 Prozent erreicht, wenn Lichtverhältnisse, Deckenhöhe und Personenverhalten es zulassen. Genau diese Bedingung gehört in den Vertrag, und zwar mit vier Elementen:
- Messmethode: Vergleich der Sensorwerte mit einer manuellen Referenzzählung oder einer anonymisierten Videoreferenz über einen definierten Zeitraum, je Zählpunkt.
- Stichprobe: Festgelegte Mindestzahl an Durchgängen pro Eingang, aufgeteilt auf Stoßzeit und Randzeit. Eine Validierung um 7 Uhr morgens mit zwölf Personen sagt nichts über den Mensaeingang um 12:15 Uhr.
- Abnahmemessung vor Ort nach der Installation und erneut nach baulichen Änderungen, nicht nur Herstellerangaben aus dem Labor.
- Folge bei Unterschreitung: Nachjustierung, Zusatzsensor oder Versetzung des Zählpunkts auf Kosten des Anbieters, mit Frist.
Erwarten Sie keine 99 Prozent an einem Eingang mit Gegenlicht aus einer Glasfassade oder an einem Durchgang, durch den sich nach Vorlesungsende Gruppen dicht gedrängt bewegen. Ein seriöser Anbieter benennt solche Stellen bei der Begehung und schlägt eine andere Sensorposition oder eine zweite Zählachse vor. Ein Anbieter, der für jeden Standort denselben Flatwert garantiert, hat die Standorte nicht angesehen.
Kopplung mit HVAC und Gebäudeleittechnik: Fragen vor der Vergabe
Der wirtschaftliche Hebel liegt in der Übergabe der Belegungsdaten an die Gebäudetechnik. Vemco Group setzt dafür VemFusion ein, eine Integrationsschicht, die Belegungsdaten an HVAC, Gebäudemanagementsysteme und Sicherheitstechnik übergibt: Fällt die Belegung einer Zone unter einen Schwellenwert, reduziert das BMS die Luftwechselrate und dimmt die Beleuchtung; steigt sie, wird nachgeregelt, bevor die CO2-Werte spürbar werden. Damit das im eigenen Gebäude funktioniert, müssen vor der Vergabe drei Fragen beantwortet sein.
Erstens: Über welches Protokoll spricht die Gebäudeleittechnik, und wer stellt die Schnittstelle bereit? Der BMS-Integrator wird in der Regel eigenen Aufwand ansetzen; dieser Posten gehört in das Gesamtbudget, nicht in eine spätere Nachtragsrunde. Zweitens: Wer verantwortet die Regellogik? Schwellenwerte, Hysterese zwischen Herunter- und Hochregeln, Mindestlaufzeiten der Lüftung und ein Vorlauf vor planbaren Stoßzeiten müssen zwischen Facility Management und Haustechnik abgestimmt werden. Eine Lüftung, die bei jedem Grenzwertdurchgang schaltet, verschleißt schneller und spart wenig. Drittens: Was passiert bei Sensorausfall? Das BMS braucht einen definierten Rückfallzustand, sinnvollerweise die bisherige Zeitsteuerung, damit ein ausgefallener Zählpunkt nicht zu einem unbelüfteten Prüfungsraum führt.
Für die strategische Flächenfrage, also welche Etagen, Raumtypen und Tageszeiten dauerhaft unter- oder überlastet sind, kommt bei Vemco Group VemSpace zum Einsatz. Für das Belegungsmanagement eines Campus mit Bibliothek, Hörsälen und Verwaltungsbau sind beide Ebenen nötig: die Echtzeitkopplung senkt Betriebskosten, die Analyse trägt Mietentscheidungen.
Business Case mit offengelegten Annahmen
Preismodelle für Belegungsmanagement bestehen typischerweise aus Hardware pro Zählpunkt oder Arbeitsplatz, Installation, einer laufenden Softwarelizenz pro Gebäude, Zone oder Sensor sowie einmaligem Integrationsaufwand für BMS und Buchungssystem. Kostentreiber sind die Zahl der Eingänge und Durchgänge, die Deckenhöhe, vorhandene PoE-Netzwerkinfrastruktur und die Komplexität der Gebäudeleittechnik. Statt einen Preis zu raten, rechnen Sie den Business Case mit eigenen, gekennzeichneten Annahmen. Ein Beispiel, bei dem alle Zahlen frei gewählte Annahmen und keine Vemco-Preise sind:
- Annahme Objekt: Verwaltungsgebäude mit 6.000 m² auf sechs Etagen, Vollkosten der Fläche 300 € pro m² und Jahr, also 1,8 Mio. € jährlich.
- Annahme Auslastung: Die Messung zeigt das aus hybriden Büros bekannte Muster, Dienstag und Mittwoch um 85 Prozent, Montag und Freitag unter 35 Prozent. Eine Etage mit 1.000 m² kann aufgegeben werden, die Spitzentage werden über Buchungssteuerung abgefangen: 300.000 € pro Jahr.
- Annahme Energie: Lüftung und Beleuchtung kosten 25 € pro m² und Jahr, also 150.000 €. Eine belegungsabhängige Regelung spart angenommen 15 Prozent: 22.500 € pro Jahr.
- Annahme Investition: 60.000 € einmalig für Sensorik, Installation und BMS-Integration, 12.000 € jährlich für Lizenzen und Wartung.
Unter diesen Annahmen stehen im ersten Jahr 322.500 € Einsparung gegen 72.000 € Kosten; die Investition ist nach weniger als drei Monaten nach Abgabe der Fläche zurückverdient. Entscheidend ist die Reihenfolge: Die Flächenentscheidung braucht mindestens zwölf Monate Messdaten mit Verteilungen statt Mittelwerten. Die Energieeinsparung wirkt dagegen ab dem Tag der BMS-Kopplung und finanziert die Messphase. Öffentliche Träger ohne Mietflexibilität rechnen den Fall anders: Dort ersetzen eingesparte Erweiterungsbauten, verschobene Anmietungen und Personalplanung an Schaltern den Mietposten.
Häufig gestellte Fragen
Welche Genauigkeit sollte eine Ausschreibung für Belegungsmanagement verlangen? Eine vertraglich zugesicherte Mindestgenauigkeit mit definierter Messmethode, Stichprobe und Abnahmemessung vor Ort; bei Vemco Group liegt der zugesicherte Wert bei 96 Prozent, erreicht werden typischerweise 98 bis 99 Prozent, wenn die Bedingungen es zulassen. Ein pauschaler Flatwert ohne Messbedingungen sollte in der Bewertung niedriger gewichtet werden als ein nachvollziehbar belegter Wert.
Reicht ein Belegungssensor pro Besprechungsraum, oder braucht es Zähler an den Eingängen? Beides erfüllt unterschiedliche Aufgaben. Raum- und Arbeitsplatzsensoren beantworten, ob ein konkreter Platz genutzt wird; Zähler an Eingängen und Durchgängen liefern die Belegung ganzer Etagen und Gebäude, die für Grenzwertalarme und die HVAC-Regelung nötig ist.
Wie lange dauert es, bis Belegungsdaten eine Flächenentscheidung tragen? Für Mietkündigungen oder Umbauten sollten mindestens zwölf Monate vorliegen, damit Semesterzyklen, Urlaubszeiten und Jahresabschlüsse abgebildet sind. Die Kopplung mit der Gebäudetechnik dagegen spart ab dem ersten Betriebstag und kann die Messphase wirtschaftlich tragen.
Wenn Sie ein Lastenheft für Belegungsmanagement vorbereiten, eine Genauigkeitszusage für Ihre konkreten Eingänge brauchen oder die Kopplung mit Ihrer Gebäudeleittechnik prüfen möchten, sprechen Sie mit dem Team von Vemco Group. Über vemcogroup.com/contact-us erreichen Sie uns für eine Begehung Ihrer Standorte und eine realistische Einschätzung von Sensorik, Integrationsaufwand und Business Case.